Eine Sitzecke vorm Nachbarschaftshaus

Wer heute durch die Stadt geht, ist meist zügig unterwegs. Von A nach B, zum Einkaufen, zum Termin, nach Hause. Die Straße ist dabei oft nur der notwendige Raum dazwischen: laut, voll, funktional. Ein Ort, den man nutzt – aber selten einer, an dem man bleibt.
Dabei muss das nicht so sein. In Dörfern, aber auch früher in den Städten, war die Straße Teil des alltäglichen Lebensraums. Man saß vor dem Haus, traf sich unterwegs, tauschte Neuigkeiten aus. Der Marktplatz war nicht nur Ort des Handels, sondern auch der Begegnung. Gemeinschaft fand draußen statt – sichtbar und für alle zugänglich. An diese Idee knüpft eine kleine Veränderung vor unserem Haus an.

Auf dem Gehweg vor dem unserem Nachbarschaftshaus ist Ende letzten Jahres eine kleine Sitzecke entstanden: eine Bank, ein Hochbeet und einige Pflanzkübel. Noch liegt teilweise Eis darauf, und bislang schmücken nur ein paar Tannenzweige die Beete. Und doch ist sie ein erster Schritt, das öffentliche Straßenland neu zu denken. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn wir Orte schaffen, an denen man sich gerne aufhält, wird die Straße wieder Teil unseres Lebensraums.

Draußen sein, ohne etwas kaufen zu müssen


Gerade in einer geschäftigen Stadt sind frei zugängliche, freundliche Aufenthaltsorte im Freien selten geworden. Viele Begegnungen finden heute in Cafés oder Innenräumen statt – Orte, an denen man oft Zeit gegen Geld tauscht. Die kleine Sitzecke vor dem Haus setzt bewusst einen anderen Akzent.

Hier kann man sich einfach hinsetzen. Für ein paar Minuten oder länger. Allein oder gemeinsam. Man kann ein bekanntes Gesicht treffen oder jemanden neu kennenlernen. Vielleicht entsteht ein kurzes Gespräch, vielleicht ein regelmäßiger Treffpunkt – oder einfach ein Moment der Ruhe mit Blick ins Grüne.

Mitmachen ausdrücklich erwünscht


Diese Sitzecke ist kein fertiges Projekt. Sie ist eine Einladung zum Mitgestalten: Wer mitmachen möchte, ist herzlich willkommen! Das Hochbeet soll gemeinschaftlich bepflanzt und gepflegt werden – von Nachbar*innen, von Menschen aus dem Kiez, von allen, die sich einbringen möchten. Auch die Baumscheiben vor dem Haus, bisher eher karg und unbeachtet, sollen gemeinsam gestaltet und versorgt werden. Darüber hinaus gibt es noch viele Ideen: ein weiteres Hochbeet, mehr Blumen, vielleicht ein kleiner Wassertank, um Regenwasser vom Dach zu sammeln.

Mitte März ist daher eine gemeinsame Aktion geplant, um die Sitzecke für das kommende Frühjahr fit zu machen. Ein paar Werkzeuge und Pflanzen werden wir bereit halten, und wir freuen uns über jeden Menschen, der mit Erfahrung und gärtnerischem Elan dabei ist! Den genauen Termin werden wir im März festlegen und den Wetterverhältnissen anpassen.  Außerdem freuen wir uns über Menschen, die Lust haben, bei der Pflege zu helfen – an heißen Sommertagen mal zu gießen, nach dem Rechten zu sehen oder einfach präsent zu sein. Melden Sie sich gerne bei uns – wir freuen uns über Unterstützung! Die Straße gehört uns allen. Machen wir sie gemeinsam zu einem Ort, an dem man gerne ist – und gerne bleibt.